Glücksspielsurvey 2024
Der Glücksspielsurvey 2024 bestätigt die hohe Verbreitung von Glücksspiel in Deutschland, sieht aber keine Zunahme problematischen Spielverhaltens.
Mit dem Glücksspielsurvey 2024 liegt erstmals nach fünfjähriger Pause wieder eine große repräsentative Untersuchung zum Glücksspielverhalten in Deutschland vor.
Repräsentative Studie mit mehr als 11.500 Befragten setzt langjährige Zeitreihe fort
Grundlage der Studie ist eine telefonische Befragung von 11.503 Menschen im Alter von 16 bis 70 Jahren, die forsa im Auftrag des Verbands der Deutschen Automatenindustrie durchgeführt hat.
Die Erhebung fand zwischen dem 18. Januar und dem 23. Mai 2024 statt und basierte auf computergestützten Telefoninterviews mit einer Dual Frame Stichprobe aus Festnetz und Mobilfunk. Die Gewichtung der Daten erfolgte nach Region, Alter, Geschlecht und Schulbildung auf Basis amtlicher Statistik.
Der Survey knüpft an die frühere Studienreihe „Glücksspielverhalten und Glücksspielsucht“ an, die zwischen 2007 und 2019 unter Verantwortung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in zweijährigen Abständen durchgeführt wurde.
Nach dem Rückzug der damaligen Trägerin wurde die Reihe nun mit privater Finanzierung durch den VDAI fortgesetzt. Nach Angaben des Verbands wurde das bisherige Studiendesign vollständig übernommen, um eine „seriöse Fortschreibung der bisherigen Zeitreihen“ zu gewährleisten.
80 Prozent der Befragten haben schon einmal gespielt
Die Ergebnisse zeigen, dass Glücksspiel in Deutschland ein verbreitetes Freizeitverhalten bleibt. Vier Fünftel der Befragten, also rund 80 Prozent, geben an, im Laufe ihres Lebens mindestens einmal ein Glücksspiel gespielt zu haben.
Damit ist der zuvor zwischen 2007 und 2019 beobachtete Rückgang der Lebenszeitprävalenz nicht weiter fortgesetzt worden. Im Vergleich zur letzten Erhebung aus dem Jahr 2019 ist der Anteil sogar leicht gestiegen.
Auch mit Blick auf die vergangenen zwölf Monate bleibt die Teilnahme an Glücksspiel auf einem relevanten Niveau. 43 Prozent der Befragten haben im Jahr vor der Erhebung mindestens ein Glücksspiel gespielt.
Im langfristigen Vergleich von 2007 bis 2024 ist zwar weiterhin ein abnehmender Trend erkennbar. Allerdings liegt die 12 Monats Prävalenz 2024 etwas höher als noch 2019. Damit zeigt sich ein gemischtes Bild aus langfristigem Rückgang und zuletzt leichter Gegenbewegung.
Besonders auffällig sind die Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Bis zum Alter von 55 Jahren ist die 12 Monats Prävalenz bei Männern in allen Altersgruppen signifikant höher als bei Frauen. Zusätzlich ist der Anteil der Männer mit Glücksspielerfahrung in den Altersgruppen bis 45 Jahre jeweils signifikant höher als bei Frauen.
Mehrfachspiel und hohe Spielfrequenz sind bei Männern deutlich verbreiteter
Etwa ein Fünftel der Befragten hat in den vergangenen zwölf Monaten mindestens zwei Glücksspiele gespielt. Für diese Mehrfachteilnahme lässt sich über den Zeitraum von 2007 bis 2024 kein signifikanter Trend feststellen. Männer sind jedoch über alle Altersgruppen hinweg signifikant häufiger Mehrfachspielende als Frauen.
Bei der Spielfrequenz zeigt sich ein ähnliches Muster. Etwas mehr als 8 Prozent der Befragten haben in den letzten zwölf Monaten mindestens zwei bis drei Mal im Monat irgendein Glücksspiel gespielt. Männer weisen in fast allen Altersgruppen signifikant häufiger eine hohe Spielfrequenz auf als Frauen.
Zugleich ist der Anteil der Personen, die zwei bis drei Mal im Monat oder häufiger spielen, im Zeitraum von 2007 bis 2024 signifikant gesunken. Dieser Rückgang gilt sowohl insgesamt als auch getrennt für Männer und Frauen.
Gewinne bleiben die Ausnahme, Verluste dominieren die Selbsteinschätzung
Auch zur subjektiven Gewinn- und Verlustbilanz liefert der Survey konkrete Angaben. Etwa ein Zehntel derjenigen, die in den letzten zwölf Monaten mindestens ein Glücksspiel gespielt haben, gibt an, in diesem Zeitraum durch Glücksspiel einen Gewinn erzielt zu haben.
Dem stehen gut zwei Drittel gegenüber, die nach eigener Aussage Verluste erlitten haben. Ein weiteres Fünftel kommt zu dem Schluss, dass es unter dem Strich weder etwas gewonnen noch verloren habe.
Auffällig ist, dass sich diese Selbsteinschätzungen langfristig kaum verändert haben. Für den Zeitraum von 2007 bis 2024 lässt sich weder beim Anteil derjenigen, die von Gewinnen berichten, noch beim Anteil derjenigen mit Verlusten ein statistisch nachweisbarer Trend erkennen.
Risikowahrnehmung nimmt zu, Hilfsangebote werden bekannter
Ein weiterer Schwerpunkt der Untersuchung liegt auf Wissen, Einstellungen und Risikobewusstsein. Rund 72 Prozent der Befragten sind über irgendein Medium auf die Gefahren des Glücksspiels aufmerksam geworden. Knapp ein Viertel kennt eine Beratungsstelle. Rund ein Zehntel kennt ein Beratungstelefon für Probleme und Belastungen durch Glücksspiel.
Besonders bemerkenswert ist der langfristige Anstieg bei der Bekanntheit von Informations- und Hilfsangeboten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Der Anteil der Befragten, die die Internetangebote und die Telefonberatung der BZgA kennen, ist zwischen 2011 und 2024 signifikant gestiegen. Das deutet darauf hin, dass die öffentliche Risikokommunikation im Themenfeld Glücksspiel in den vergangenen Jahren eine größere Reichweite erzielt hat.
Problematisches und pathologisches Spielverhalten bleiben stabil
Der wichtigste Befund des Glücksspielsurveys 2024 betrifft die Verbreitung problematischen und wahrscheinlich pathologischen Glücksspielverhaltens. Nach der Klassifikation des South Oaks Gambling Screen, kurz SOGS, gelten 95,53 Prozent der Befragten als unproblematische Spieler oder als Nichtspieler.
Der Anteil auffälligen beziehungsweise risikoreichen Spielverhaltens liegt bei 3,82 Prozent. Als problematisch werden 0,37 Prozent eingestuft. Als wahrscheinlich pathologisch gelten 0,28 Prozent.
Damit bleibt der Anteil problematischer und wahrscheinlich pathologischer Spieler im Vergleich zur Vorgängererhebung von 2019 stabil. Damals lagen die Werte bei 0,39 Prozent beziehungsweise 0,34 Prozent. Laut forsa bewegen sich die Unterschiede „im Bereich von Zufallsschwankungen“. Genau darin liegt die zentrale Aussage des Surveys. Die Anteile sind nicht gestiegen, sie sind statistisch aber auch nicht gesunken.
Für den längeren Zeitraum von 2009 bis 2024 ergibt sich ein differenzierteres Bild. Beim Anteil auffälligen beziehungsweise risikoreichen Glücksspielverhaltens ist ein rückläufiger Trend nachweisbar. Bei problematischem und wahrscheinlich pathologischem Spielverhalten gibt es dagegen keinen signifikanten Langfristtrend. Auch gegenüber 2019 ist keine statistisch belastbare Veränderung festzustellen.
Jahr | Unproblematisch | Auffällig / risikoreich | Problematisch | Wahrscheinlich pathologisch |
2009 | 93,09 % | 5,82 % | 0,64 % | 0,45 % |
2011 | 93,54 % | 5,46 % | 0,51 % | 0,49 % |
2013 | 94,42 % | 4,07 % | 0,69 % | 0,82 % |
2015 | 94,80 % | 4,41 % | 0,42 % | 0,37 % |
2017 | 95,40 % | 3,73 % | 0,56 % | 0,31 % |
2019 | 95,74 % | 3,52 % | 0,39 % | 0,34 % |
2024 | 95,53 % | 3,82 % | 0,37 % | 0,28 % |
Der Anteil problematischen und pathologischen Spielverhaltens ist in den vergangenen Jahren gesunken.
Zeitvergleich zeigt langfristige Verschiebungen, aber keine neue Zuspitzung
Ein Blick auf die Zeitreihe unterstreicht diese Entwicklung. Der Anteil unproblematischer Spieler und Nichtspieler stieg von 93,09 Prozent im Jahr 2009 auf 95,53 Prozent im Jahr 2024. Gleichzeitig sank der Anteil auffälligen beziehungsweise risikoreichen Spielverhaltens von 5,82 Prozent auf 3,82 Prozent. Das spricht für einen langfristigen Rückgang auffälliger Spielmuster.
Beim problematischen Spielverhalten lagen die Werte in der Zeitreihe zwischen 0,37 und 0,69 Prozent. Beim wahrscheinlich pathologischen Spielverhalten bewegten sie sich zwischen 0,28 und 0,82 Prozent.
Trotz einzelner Schwankungen ergibt sich daraus laut den vorliegenden Angaben kein signifikanter Trend. Die aktuelle Studie stützt damit vor allem die Aussage, dass es nach der jüngsten Erhebung keine neue Zuspitzung gibt.
Neue Website und bereits beauftragter Glücksspielsurvey 2026
Die Ergebnisse des Glücksspielsurveys 2024 werden inzwischen auch auf der neuen Website gluecksspielsurvey.de präsentiert. Dort stellt der VDAI Daten zum Glücksspielverhalten vor. Außerdem kündigen forsa und VDAI weitere Zahlen an.
Zugleich ist die Fortsetzung der Studienreihe bereits beschlossen. Der Glücksspielsurvey 2026 wurde nach Angaben des Verbands schon beauftragt. Die Ergebnisse werden zur Jahresmitte erwartet.
Der VDAI begründet diesen Schritt mit der besonderen Bedeutung kontinuierlicher Wiederholungsbefragungen. Nur so könnten Entwicklungen im Glücksspielverhalten und Veränderungen beim Anteil von Menschen mit Glücksspielstörung in Deutschland über längere Zeiträume wissenschaftlich valide sichtbar gemacht werden.
Glücksspiel weit verbreitet, problematische Fälle selten
Der Glücksspielsurvey 2024 zeichnet damit ein klares Bild. Glücksspiel ist in Deutschland ein populäres Vergnügen mit hoher Reichweite in der Bevölkerung. Gleichzeitig bleiben problematisches und wahrscheinlich pathologisches Spielverhalten im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung auf einem niedrigen Niveau. Über 95 Prozent der Befragten sind unproblematische Spieler oder nehmen gar nicht teil.
Die Studie zeigt außerdem, dass Männer in mehreren Bereichen deutlich häufiger betroffen oder beteiligt sind. Das gilt für Spielerfahrung, Mehrfachspiel, hohe Spielfrequenz und auffälliges Spielverhalten. Parallel dazu wächst die Bekanntheit von Informations- und Beratungsangeboten.
Insgesamt spricht vieles dafür, dass sich das Glücksspielverhalten in Deutschland langfristig eher ausdifferenziert als verschärft hat. Der zentrale Befund der aktuellen Untersuchung lautet deshalb vor allem: Keine Veränderung bei den besonders kritischen Gruppen und keine statistisch belegbare Zunahme problematischen Spielverhaltens.
überarbeitet am: Donnerstag, 12. März 2026