Online Glücksspiel Atlas drittes Quartal 2023 der Deutschen Gesellschaft für Glücksspiel
Hier gibt's den Glücksspiel-Atlas als Download.
- Online-Glücksspiel-Atlas: Ergebnisse 3. Quartal 2023
(application/pdf, 1.4 MB)
Marktüberblick und Fortschritte: Was hat sich verändert?
Als die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) zu Jahresbeginn offiziell ihre Arbeit aufgenommen hat, konnte auch der Lizenzierungsprozess von Glücksspielangeboten fortgesetzt werden.
Seit Beginn des ersten Quartals 2023 hat die Deutsche Gesellschaft für Glücksspiel (DGGS), die mit ihren Webseiten JackpotPiraten und BingBong als erster zugelassener Anbieter von virtuellen Automatenspielen den regulierten deutschen Markt betreten hat, die Entwicklung des Marktes verfolgt und im quartalsmäßig veröffentlichten Online Glücksspiel Atlas dokumentiert.
Nachdem bereits zwei Ausgaben erschienen sind, bietet die DGGS mit dem neuen Online Glücksspiel Atlas erneut einen Überblick auf die jüngsten Änderungen, die im dritten Quartal zu beobachten waren.
Whitelist: Wie viele Glücksspiel-Lizenzen wurden bisher vergeben?
Seit Beginn des dritten Quartals 2023 wurden weitere Lizenzen von der GGL vergeben. Was sich konkret verändert hat und wie viele neue Anbieter den deutschen Glücksspielmarkt betreten haben, soll die folgende Aufstellung verdeutlichen.
Lotterien auf dem regulierten Glücksspielmarkt
Ein sehr großer Anteil am regulierten Glücksspielmarkt fällt den Lotterien zu. Am Ende des dritten Quartals 2023 verfügten 114 Anbieter über Erlaubnisse, die insgesamt 115 Portale betreiben. Überraschend ist, dass einige Anbieter ihr Online-Angebot scheinbar zurückgezogen haben und sich möglicherweise vorwiegend auf den terrestrischen Markt konzentrieren. Gab es einen leichten Anstieg um sechs Zulassungen, ist die Anzahl der Online-Angebote von 126 auf 115 gesunken.
Alle Lotterien
Zeitraum | Anzahl Erlaubnisse | Anzahl Portale |
Q1 2023 | 107 | 125 |
Q2 2023 | 108 | 126 |
Q3 2023 | 114 | 115 |
Lotterien des Deutschen Lotto-Toto-Blocks
Im Deutschen Lotto- und Totoblock sind die Lottogesellschaften der Bundesländer unter einem Dach vereint. So können einheitliche Gewinnzahlen und Quoten ermöglicht werden. Bundesweit existieren rund 25.000 Annahmestellen.
Die 16 Bundesländer sind die Betreiber der 16 zugelassenen Online-Portale.
Zeitraum | Anzahl Erlaubnisse | Anzahl Portale |
Q1 2023 | 16 | 16 |
Q2 2023 | 16 | 16 |
Q3 2023 | 16 | 16 |
Lotterien mit geringerem Gefährdungspotential
Veranstalter gemäß § 12 Abs. 3 GlüStV 2021
Gemäß § 12 Abs. 3 GlüStV 2021 dürfen Unternehmen Lotterien mit geringem Gefährdungspotential veranstalten. Bei diesen Gewinnspielen sind wirtschaftliche Zwecke ausgenommen, die „über den mit dem Hinweis auf die Bereitstellung von Gewinnen verbundenen Werbeeffekt hinausgehen”.
Der Reinertrag darf ausschließlich und unmittelbar für gemeinnützige, kirchliche oder mildtätige Zwecke verwendet werden. Dazu zählen beispielsweise Lotterien wie die Aktion Mensch e.V. und die Postcode-Lotterie.
Im Vergleich zum letzten Quartal gab es hier keine Veränderungen. Immer noch verfügen 7 Betreiber über Erlaubnisse für 18 Online-Portale.
Zeitraum | Anzahl Erlaubnisse | Anzahl Portale |
Q1 2023 | 7 | 18 |
Q2 2023 | 7 | 18 |
Q3 2023 | 7 | 18 |
Veranstalter von Sparlotterien mit regionalem Vertrieb
Sogenannte Sparlotterien, die von Sparkassenverbänden und Volksbanken veranstaltet werden, gelten auch als Lotterien mit geringem Gefährdungspotential. Hierbei wird ein Großteil vom Loseinsatz gespart und ein kleiner Teil in eine Lotterie investiert.
In diese Kategorie fallen aktuell 28 Betreiber mit hybriden und stationären Vertriebswegen. Die Anzahl der Erlaubnisse hat sich um einen Lizenznehmer verringert, aber statt 20 Portale gibt es nun 22 Online-Angebote.
Zeitraum | Anzahl Erlaubnisse | Anzahl Portale |
Q1 2023 | 29 | 20 |
Q2 2023 | 29 | 20 |
Q3 2023 | 28 | 22 |
Klassenlotterien
Bei der GKL Gemeinsame Klassenlotterie der Länder handelt es sich um einen staatlichen Anbieter von Klassenlotterien und Glücksspielen in Deutschland. Die GKL entstand durch den Zusammenschluss der Nordwestdeutschen Klassenlotterie (NKL) und der Süddeutschen Klassenlotterie (SKL) und ist somit Deutschlands erster von allen 16 Bundesländern getragener Lotterieanbieter.
Für die GKL gibt es eine Lizenz.
Zeitraum | Anzahl Erlaubnisse | Anzahl Portale |
Q1 2023 | 1 | 1 |
Q2 2023 | 1 | 1 |
Q3 2023 | 1 | 1 |
Lotterie-Einnahmen mit einer Erlaubnis für den Internetvertrieb
Inhaber einer Zulassung für Lotterie-Einnahmen mit Erlaubnis für den Internetbetrieb verkaufen die Lose im Namen und für Rechnung der Gemeinsamen Klassenlotterie der Länder (GKL).
Derzeit besitzen 41 Betreiber Lizenzen für 42 Online-Portale. Dies lässt den Schluss zu, dass sich zwei Betreiber von drei Online-Portalen vom Markt zurückgezogen haben.
Zeitraum | Anzahl Erlaubnisse | Anzahl Portale |
Q1 2023 | 43 | 45 |
Q2 2023 | 43 | 45 |
Q3 2023 | 41 | 42 |
Gewerbliche Spielvermittlung
Eine gewerbliche Spielvermittlung betreibt laut GlüStV 2021, wer ohne Annahmestelle, Lotterieeinnehmer, Wettvermittlungsstelle oder Örtlichkeit eines Buchmachers zu sein, Spielverträge an einen Veranstalter von Lotterien vermittelt oder Spielinteressierte zu Spielgemeinschaften zusammenführt und deren Spielbeteiligung dem Veranstalter von Lotterien vermittelt. Hierbei besteht seitens des Vermittlers die Absicht, durch seine Tätigkeit Gewinne zu erzielen.
Aktuell gibt es in Deutschland, wie auch im zweiten Quartal, 11 zugelassene Betreiber von 16 Online-Portalen.
Zeitraum | Anzahl Erlaubnisse | Anzahl Portale |
Q1 2023 | 10 | 15 |
Q2 2023 | 11 | 16 |
Q3 2023 | 11 | 16 |
Keine Bewegung bei Pferdewetten
Hinsichtlich der Anzahl zugelassener Anbieter von Pferdewetten hat sich seit der letzten Erhebung im Juli dieses Jahres keine Entwicklung beobachten lassen. Aktuell besitzen sechs Anbieter Zulassungen für sieben Online-Portale.
Zeitraum | Anzahl Erlaubnisse | Anzahl Portale |
Q1 2023 | 6 | 7 |
Q2 2023 | 6 | 7 |
Q3 2023 | 6 | 7 |
Die Firmensitze der Unternehmen befinden sich in folgenden Ländern:
- Zwei Betreiber haben ihren Sitz in Deutschland
- Ein Anbieter firmiert in Österreich
- Drei Unternehmen befinden sich in Malta
Anzahl der Sportwetten-Portale weiterhin stabil
Am Ende des dritten Quartals 2023 besaßen 31 Anbieter Lizenzen für den Betrieb von 37 Sportwetten-Portalen. Ein Blick auf die aktuelle Whitelist (Stand 29. September 2023) zeigt, dass die letzte Zulassung am 22. August 2023 erfolgt ist. IBID Malta Limited ist mit seinem Online-Portal der einzige neue Anbieter, der im dritten Quartal hinzugekommen ist.
Zeitraum | Anzahl Erlaubnisse | Anzahl Portale |
Q1 2023 | 36 | 40 |
Q2 2023 | 30 | 36 |
Q3 2023 | 31 | 37 |
Firmensitze der Sportwetten-Unternehmen:
- Zwei Anbieter sitzen in Deutschland
- Drei Unternehmen sind in Österreich ansässig
- Ein Unternehmen stammt aus Frankreich
- 25 Betreiber haben ihren Sitz in Malta
Anzahl zugelassener Anbieter virtueller Automatenspiele stagnierte in den Sommermonaten
Seit die Deutsche Gesellschaft für Glücksspiel (DGGS) im Juni 2022 mit ihren Plattformen JackpotPiraten und BingBong online gegangen ist, konnten insbesondere im zweiten Quartal 2023 große Veränderungen beobachtet werden. 39 zugelassene Anbieter betrieben 119 Plattformen.
Allerdings scheint der Zuwachs an neuen Online-Portalen zu stagnieren. Nur ein Anbieter, Torro Tec Gaming Limited aus Malta, erhielt im dritten Quartal für seine Webseite die Erlaubnis für den Betrieb virtueller Automatenspiele.
Zeitraum | Anzahl Erlaubnisse | Anzahl Portale |
Q1 2023 | 29 | 70 |
Q2 2023 | 39 | 119 |
Q3 2023 | 40 | 120 |
Firmensitze der Anbieter virtueller Automatenspiele:
- Neun Anbieter haben ihren Sitz in Deutschland
- Zwei Betreiber sitzen in Österreich
- 30 Unternehmen firmieren in Malta
Keine Veränderungen des Online-Poker-Angebots
Die Angebote virtuellen Pokerspiels haben sich seit der letzten Erhebung nicht verändert. Aktuell befinden sich fünf Anbieter auf der Whitelist, die sieben Online-Poker-Plattformen betreiben. Alle Betreiber haben ihren Firmensitz in Malta.
Zeitraum | Anzahl Erlaubnisse | Anzahl Portale |
Q1 2023 | 4 | 6 |
Q2 2023 | 5 | 7 |
Q2 2023 | 5 | 7 |
Noch kein legales Angebot von Online-Casinospielen
Für klassische Casinospiele wie Roulette, Blackjack und Baccarat ist aktuell noch kein zugelassenes virtuelles Angebot in Deutschland verfügbar.
Zeitraum | Anzahl Erlaubnisse | Anzahl Portale |
Q1 2023 | 0 | 0 |
Q2 2023 | 0 | 0 |
Q3 2023 | 0 | 0 |
Laufende Umfrage Q3 2023
Die von der GGL zur Verfügung gestellte Whitelist zeigt, wie viele Anbieter im deutschen Online-Glücksspielmarkt zugelassen sind. Nachdem insbesondere im zweiten Quartal 2023 zahlreiche Anbieter hinzugekommen waren, gab es im dritten Quartal nur marginale Veränderungen. Dies könnte unter anderem dem Sommerloch geschuldet sein. Wie viele Anträge auf Zulassung der GGL aktuell noch zur Bearbeitung vorliegen, ist öffentlich nicht bekannt.
Während sich die Glücksspiellandschaft in Bezug auf Neuzulassungen in den letzten drei Monaten kaum entwickelt hat, stellt sich die Frage, ob das Verhalten der Spielerinnen und Spieler in Deutschland Veränderungen aufweist. Ist es den Betreibern gelungen, für mehr Transparenz zu sorgen und eine Vertrauensbasis aufzubauen? Die laufenden Civey-Umfragen sollen diese Fragen beantworten.
Fragestellung: Halten Sie legale Online-Glücksspielanbieter für vertrauenswürdig?
31,0 Prozent aller Personen, die in den vergangenen 12 Monaten am Online-Glücksspiel teilgenommen haben, halten die legalen Glücksspielanbieter im Internet für vertrauenswürdig. 25,0 Prozent sind in dieser Fragestellung unentschieden, 44,0 Prozent halten diese Anbieter nicht für vertrauenswürdig.
Im Vergleich zum vorherigen Quartal haben sich die Werte damit kaum verändert. Zum damaligen Zeitpunkt erklärten 33,8 Prozent der Teilnehmer, dass sie legale Online-Glücksspielanbieter für vertrauenswürdig halten würden. 26,2 Prozent waren unentschieden, 40,0 Prozent hielten die Anbieter für nicht vertrauenswürdig.
Würden Sie häufiger Online-Glücksspiele spielen, wenn klar erkennbar ist, dass der Anbieter legal und vertrauenswürdig ist?
Positiv scheint sich die Spielbereitschaft jener Befragten zu entwickeln, die in den letzten 12 Monaten bereits das zugelassene Online-Glücksspielangebot in Anspruch genommen haben. Während am Anfang des Jahres noch 18,0 Prozent der Spielerinnen und Spieler erklärten, dass sie künftig häufiger bei einem Glücksspielanbieter spielen würden, wenn klar erkennbar ist, dass dieser legal und vertrauenswürdig ist, stimmten Mitte 2023 bereits 20,5 Prozent zu (Stand 27.06.2023).
Haben Sie in den letzten 12 Monaten an Online-Glücksspielen teilgenommen (inklusive Sportwetten)? (Ausgewertet nach Ländern)
Die Teilnahme am Online-Glücksspiel fällt auch im dritten Quartal 2023 je nach Bundesland sehr unterschiedlich aus. Insgesamt ist die Beteiligung ausnahmslos in allen Bundesländern deutlich zurückgegangen. Der stärkste Rückgang zeichnet sich in Nordrhein-Westfalen ab, wo die Glücksspiel-Beteiligung von 15,6 Prozent in Q2 auf 10,3 Prozent in Q3 gesunken ist. Es folgen Baden-Württemberg mit einem Rückgang von 4,8 Prozentpunkten und Niedersachsen mit 4,7 Prozentpunkten.
Das Saarland bleibt weiterhin das Bundesland mit der höchsten Glücksspiel-Beteiligung von 16 Prozent, gefolgt von Baden-Württemberg (12,6 Prozent) und Hessen (11,1 Prozent). Wie im Vorquartal ist damit die Beteiligung am Online-Glücksspiel tendenziell erneut in den süd-westlichen Bundesländern am stärksten. Schlusslicht bilden erneut Brandenburg (7,1 Prozent) und Berlin (7,8 Prozent).
Fragestellung: Inwieweit stimmen Sie der Aussage zu „Es ist wichtig, dass es in Deutschland legale Angebote für Online-Glücksspiele gibt, um Spielern einen sicheren Rahmen zu geben”?
Überraschend positiv entwickelte sich zwischenzeitlich die Zustimmung zu der Aussage, dass es wichtig ist, legales Glücksspiel in Deutschland anzubieten. Stimmten am Ende des zweiten Quartals noch 55,9 Prozent der Befragten zu, die in den letzten 12 Monaten am Online-Glücksspiel teilgenommen haben, liegt dieser Wert Mitte des dritten Quartals bei 65,8 Prozent.
Scheinbar beginnt das lizenzierte Spielangebot die Spielerinnen und Spieler mehr und mehr zu überzeugen. Möglich sind positive Erfahrungen, die in der Zwischenzeit mit den zugelassenen Online-Spielotheken verzeichnet werden konnten, zum Beispiel hinsichtlich der Seriosität, der Kommunikation mit den Kundinnen und Kunden sowie der Zuverlässigkeit der Zahlungsoptionen bei Transaktionen.
Nicht zuletzt bleibt zu erwähnen, dass sich die Anzahl der verfügbaren und zugelassenen Spieletitel allmählich erweitert hat.
Aktuelle Veröffentlichungen: Eine Analyse der neuesten Entwicklungen des Online-Glücksspielmarktes in Folge des Glücksspielstaatsvertrags 2021
Der deutsche Glücksspielmarkt hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Dies ist unter anderem der fortschreitenden Digitalisierung zu verdanken. Auch haben die Corona-Maßnahmen den Zugang zum Online-Glücksspiel begünstigt. Seit 2021 hat das virtuelle Glücksspiel in Deutschland einen rechtlichen Rahmen.
Die Analyse der aktuellen Entwicklungen des Online-Glückspielmarkts in Folge des Glücksspielstaatvertrags 2021 von Taiki Murai, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Wirtschaftspolitik der Universität Leipzig, und Gunther Schnabl, Professor für Wirtschaftspolitik an der Universität Leipzig, in Kooperation mit dem Deutschen Online Casinoverband (DOCV) soll einen einen Überblick über die komplexe Marktdynamik und die Entwicklung des nicht-lizenzierten Glücksspielmarktes in Deutschland bieten.
Die Erkenntnisse der Experten lassen sich wie folgt zusammenfassen:
Positive Aspekte
- Die fortschreitende Digitalisierung und die Corona-Maßnahmen hätten den Zugang zum Online-Glücksspiel erleichtert bzw. beschleunigt
- Durch die Regulierung seien Spielformen wie das virtuelle Automatenspiel und Online-Poker legalisiert worden.
- Digitalisierung: Der Zugang sei damit zu jeder Zeit und von jedem Ort aus möglich. Anreise- und Schließzeiten entfielen
Negative Aspekte
- Ein starkes Wachstum des nicht-lizenzierten Online-Glücksspielmarktes in Deutschland sei zu beobachten.
- Die Kanalisierungsrate scheine trotz des im Juli 2021 in Kraft getretenen Glücksspielstaatsvertrages zu sinken.
- Die neue Regulierung habe durch umfangreiche Zugangs- und Nutzungsbeschränkungen und eine im europäischen Vergleich sehr hohe Besteuerung einen Anreiz geschaffen, außerhalb des legalisierten Online-Glücksspielmarktes zu agieren. Die Attraktivität der Angebote für die Spieler werde eingeschränkt und sie versuchten, Hindernisse zu umgehen. Dadurch steige der Kontrollaufwand durch die Glücksspielaufsichtsbehörde.
- Die langfristige Veränderungen der Kaufkraft durch Inflation dürften den Online-Glücksspielmarkt maßgeblich verändern.
- Die Nachfrage nach günstigeren Produktvarianten dürfte zunehmen. Folge: Der Glücksspielmarkt könnte in Zukunft weiteren größeren Veränderungen ausgesetzt sein. Sinkende verfügbare Einkommen könnten Ausweichbewegungen in Märkte mit geringer oder keiner Besteuerung weiter begünstigen.
Die Problematik der Erfassung des nicht-lizenzierten Marktes
Grundsätzlich könnten potenzielle Glücksspieler im lizenzierten deutschen Online-Glücksspielmarkt spielen oder auf nicht-lizenzierte Online-Glücksspielangebote aus anderen Ländern ausweichen. Je höher der Steuersatz und je umfassender die Regulierung seien, desto größer dürften laut den Autoren die Ausweichbewegungen sein. Um den Erfolg der Regulierung zu beurteilen, sei die Kanalisierungsquote von Bedeutung. Diese gibt an, welcher Anteil der Spieler im lizenzierten und damit regulierten und besteuerten Markt spielt.
Hierbei sei zu berücksichtigen, dass das menschliche Handeln von Interessen geleitet sei. Menschen seien auf der Suche nach den geringsten Kosten und/oder den höchsten Erträgen. Würden sie daran gehindert, ihren Interessen oder Präferenzen zu folgen, so würden sie in der Tendenz versuchen, diese Hindernisse zu umgehen.
Glücksspiel-Anbieter wollten den Wünschen der Spielerinnen und Spieler entsprechen. Das werde aber umso schwieriger, je restriktiver die Vorgaben seien. Dazu gehörten Einschränkungen wie Begrenzungen des Spieleinsatzes oder Einschränkung der Spieldauer. Stünden in nicht-regulierten Märkten Angebote zur Verfügung, die den Wünschen der Spielerinnen und Spieler mehr entsprächen, gebe es Anreize zur Abwanderung.
Zum anderen führten höhere Preise, die auch durch höhere Steuern bewirkt würden, in der Regel zu einem sinkenden Konsum eines Gutes. Werde das gleiche Gut im Ausland billiger angeboten, könne sich der Konsum ins Ausland verlagern.
Gegen die Nutzung der illegalen Angebote werde das Argument des Datenschutzes und der Sicherheit angeführt. Allerdings wollten auch nicht-lizenzierte Anbieter eine Vertrauensbasis schaffen, indem sie ihre Angebote transparent gestalteten. Entsprechende Vergleichsplattformen im Internet böten einen Überblick und reduzierten damit die Unsicherheit der Kundinnen und Kunden.
Empirische Untersuchungen zum Online-Glücksspielmarkt seien nicht unproblematisch, da sie schwer erfassbar seien. Auch seien die Sanktionsmöglichkeiten seitens der Behörden gering. Bei Umfragen bestehe das Problem, Panelmitglieder zu rekrutieren, wodurch Stichproben verzerrt sein könnten. Außerdem könnten Antworten aufgrund der sozialen Sensibilität des Themas verzerrt werden, so dass geantwortet werde, was als sozial erwünscht betrachtet werde. Die Markt-Performance wird anhand von zwei Erhebungsansätzen dargestellt:
Der MECN-Ansatz
Der erste der beiden Erhebungsansätze bildet die Grundlage für die Markteinschätzung der Glücksspielaufsichtsbehörden. Die Einschätzung der Wirkungsweise früherer Regulierungen basiert auf den Erkenntnissen einer Datenerhebung der Marktforschungsfirma Media & Entertainment Consulting Network GmbH (MECN). Beim MECN-Ansatz werden die Besuche auf Webseiten gezählt. Die Ergebnisse werden seit 2014 im „Jahresreport der Glücksspielaufsichtsbehörden der Länder“ veröffentlicht.
Die Schätzung bietet eine wichtige Grundlage für die Einschätzung des Online-Glücksspielmarktes in Deutschland und damit auch für die Beurteilung der Wirksamkeit des Glücksspielstaatsvertrags. Allerdings seien die Zahlen laut den Forschern im Jahresreport der Glücksspielaufsichtsbehörden der Länder mit Unsicherheit behaftet:
Die Daten des „Referenzanbieters“ seien unklar. Damals seien die Umsatzzahlen von bwin.party verwendet worden. Allerdings veröffentliche das Unternehmen seit 2015 keine Umsatzzahlen mehr. Darum sei unklar, wie und ob diese Zahlen in die Schätzungen eingeflossen seien. Auch eine Anpassung an das Nutzungsverhalten (mobiles Spiel) sei nicht erfolgt und neue Anbieter seien nicht berücksichtigt worden, was ein unklares Bild der Marktdynamik zeichne.
Die Experten resümieren:
„Im Ergebnis weicht die von der MECN geschätzte Entwicklung des Online-Glücksspielmarktes in Deutschland von der internationalen Entwicklung seit dem Jahr 2018 stark ab. Während auf der Grundlage der MECN-Schätzung der Online-Glücksspielmarkt in Deutschland schrumpft, wachsen die Online-Glücksspielmärkte in anderen europäischen Ländern kontinuierlich. Die Gründe für die gegenteilige Entwicklung der (nicht-lizenzierten) Online-Glückspielmärkte in Deutschland sind ungeklärt. Das könnte auf Verzerrungen bei der MECN-Schätzung des Online-Glücksspielmarktes in Deutschland hindeuten, die in den Jahresberichten der gemeinsamen Geschäftsstelle der Glücksspielaufsichtsbehörden der Bundesländer veröffentlicht werden.”
Marktvermessung auf Grundlage von Nielsen-Daten
Der zweite vorliegende Erhebungsansatz dient der Marktvermessung, die der Branchenverband Deutscher Online Casinoverband e.V. (DOCV) initiiert und koordiniert hat. Das von Nielsen Media Germany GmbH Online-Meterpanel „Digital Content Measurement“ (DCM) besteht aus ca. 25.000 in Deutschland online aktiven Konsumenten und liefert Informationen für zahlreiche digitale Branchen. Die Teilnahme am Panel ist freiwillig und soll die deutsche Gesamtbevölkerung bestmöglich hinsichtlich des Online-Konsumverhaltens repräsentieren.
Für die Messung des Nutzungsverhaltens verwendet Nielsen seine patentierte Messsoftware Netsight, die auf allen Desktop- und Laptop-Computern bzw. Smartphones der Teilnehmenden installiert ist.
Aus dem Gesamtpanel wurden die Besuche von Online-Glücksspielangeboten extrahiert. Dazu wurde vom DOCV ein umfassendes Verzeichnis der Online-Glücksspielangebote in Deutschland erstellt („Online-Glücksspielmarkt-Inventur“).
Zur Modellierung des deutschen Marktes werden Online-Glücksspielangebote in die Liste aufgenommen, wenn alle der folgenden Kriterien erfüllt sind:
- Das Angebot ist von einer deutschen IP-Adresse (ohne Einsatz eines VPN) erreichbar
- Das Angebot ist in deutscher Sprache verfügbar.
- Bei Registrierung wird ein deutscher Wohnsitz des Users akzeptiert.
- Das Glücksspielangebot bezieht sich auf Echtgeldspiele.
Dieses Verzeichnis deutscher Online-Glücksspielangebote verändere sich kontinuierlich, da neue Angebote (bspw. neue Domains existierender Anbieter oder auch neue Domains neuer Anbieter) hinzukämen und andere Angebote ausscheiden könnten. Im März 2023 seien 520 Angebote in dem Verzeichnis vertreten.
Es ergäben sich für März 2023 insgesamt 1.961 erfasste Besuche auf Online- Glücksspielseiten, die auf dem Verzeichnis des DOCV erfasst seien. Diese teilten sich in 1.566,5 erfasste Besuche auf Computern und 394,5 erfasste Besuche auf Mobiltelefonen auf.
Etwa die Hälfte der erfassten Besuche werde als nicht-lizenziert, EU (28,9 Prozent) bzw. nicht-lizenziert, offshore (19,9 Prozent) festgestellt. Die Kanalisierungsrate, d.h. der Anteil der Nutzungen von lizenzierten Angeboten, die den Vorgaben des GlüStV entsprächen, sei damit vergleichsweise gering.
Die ca. 25.000 Panelteilnehmer sollten die ca. 55 Millionen Deutschen über 18 Jahre repräsentieren, welche online Güter und Dienstleistungen erwürben. Gehe man davon aus, dass im Durchschnitt 1.115 Teilnehmer des Nielsen-Panels Online-Glückspiele in Anspruch nähmen, ergebe sich vereinfacht eine potenzielle Kundengruppe von ca. 2,45 Millionen Nutzern von Online-Glücksspielen.
Eine Schätzung des Marktvolumens in Bruttospielerträgen mit einer Unterteilung in einen lizenzierten und nicht-lizenzierten Markt sei mit dieser Untersuchung nicht möglich, da die Bruttospielerträge bei der Erhebung unbekannt blieben. Aufgrund der Regulierung in Deutschland lasse sich jedoch vermuten, dass eine Angebotsnutzung im nicht-lizenzierten Markt potenziell mehr Bruttospielertrag generiere als eine Angebotsnutzung im lizenzierten Markt.
Dies resultiere insbesondere aus der Beschränkung der möglichen Einzahlungen bei erlaubten Anbietern (Einzahlungslimit laut GlüStV 2021 generell in Höhe von 1.000 Euro pro Monat), den maximal möglichen Einsätzen (1 Euro pro Spin) und der (derzeitigen) Nicht-Verfügbarkeit von Online-Casinospielen.
Resümee
Die Untersuchung unter Mitwirkung des DOCV auf der Grundlage des Nielsen-Online-Panels zeige, dass ein erheblicher Teil des Online-Glücksspiels im nicht-lizenzierten Markt stattfinde. Die Marktanalyse erfasse eine große Anzahl von deutschsprachigen Online-Glücksspielangeboten aus dem Ausland, die nicht der deutschen Regulierung entsprächen. Die Analyse deute zudem auf einen wachsenden Marktanteil des als nicht-lizenziert kategorisierten Marktes (Angebote aus dem EU-Ausland und Offshore-Angebote) hin. Die Kanalisierungsrate sei niedriger als von der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder angenommen.
Eine starke Regulierung und eine hohe Besteuerung könnten zu Ausweichbewegungen zugunsten der Online-Glücksspielangebote aus dem Ausland und damit des nicht-lizenzierten Glücksspielmarkts geführt haben. Die Experten empfehlen daher eine Überprüfung der Regelungen des Glücksspielstaatsvertrages zu einzelnen Spielformen, die Umstellung der Besteuerungsgrundlage des Online-Glücksspiels vom Spieleinsatz auf den Bruttospielertrag sowie die Legalisierung von Online-Casinospielen durch Lizenzvergabe.
Neuigkeiten im Glücksspielmarkt
In früheren Ausgaben des Online Glücksspiel Atlas konnte bereits über verschiedene Neuerungen im deutschen Glücksspielmarkt berichtet werden. So hat die GGL entschieden, dass einige Anbieter das monatliche anbieterübergreifende Einzahlungslimit in Einzelfällen auf Wunsch des Spielers erhöhen. Dies ist ein richtiger Schritt, um eine höhere Kanalisierungsrate in den regulierten Glücksspielmarkt in Deutschland zu erreichen.
Meilenstein: Erhöhung des Einzahlungslimits
Die bereits im Online Glücksspiel Atlas des zweiten Quartals angekündigte Anpassung des im Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV) festgelegten anbieterübergreifenden Einzahlungslimits ist nun erfolgt. Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) informiert die Betreiber von virtuellen Automatenspielen, die einen entsprechenden Antrag gestellt haben, seit dem Spätsommer 2023 mit Bescheiden über eine Aktualisierung der Erlaubnisse. So kann in Ausnahmefällen das Einzahlungslimit von 1.000 Euro überschritten und auf bis zu 10.000 Euro bzw. 30.000 Euro angehoben werden.
Spielerinnen und Spieler, die mehr als 1.000 Euro monatlich einzahlen möchten, können bei ihrem Anbieter einen entsprechenden Antrag stellen. Allerdings müssen sie sich bereit erklären, sich einer Bonitätsprüfung zu unterziehen. Begründet wurde diese Entscheidung seitens der GGL mit der Aussage, dass Spielern, deren Bonität höhere Einzahlungen erlaube, auf dem regulierten Markt die Möglichkeit geboten werden soll, von 100-prozentiger Sicherheit und optimalem Spielerschutz zu profitieren.
Im dritten Quartal gab es im Vergleich zum zweiten Quartal nur marginale Veränderungen in der deutschen Glücksspiellandschaft. Nur wenige Betreiber wurden der Whitelist hinzugefügt. Dafür konnten jedoch einige Erfolge in regulatorischer Hinsicht erzielt werden, die sowohl den Wünschen der Spieler und Betreiber Rechnung tragen als auch den Anforderungen der Gesetzgebung genügen und dem noch entfernten Ziel des Erreichens einer hohen Kanalisierungsrate wenigstens einige Schritte näherkommen dürften.
Informationen & Zusatzmaterial
Nachfolgend finden Sie Links zu unserer Website und unseren Plattformen sowie druckfähiges Bildmaterial zum Download.
Pressebereich der Webseite: https://www.dggs-online.de/presse
Online Glücksspiel Atlas Q3 2023: https://www.dggs-online.de/downloads/online-gluecksspiel-atlas-quartal-3-2023.pdf
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