Länger als eine Schwangerschaft: Wie lange ein Online Slot in Deutschland auf seine Erlaubnis wartet
365 Tage vergehen im Durchschnitt zwischen Beantragung und Bescheid
Eine Schwangerschaft dauert 280 Tage. Ein Online Slot in Deutschland braucht länger, bis er erlaubt ist. Das ist keine Pointe, sondern das Ergebnis einer Auswertung. Von der Beantragung bis zur Entscheidung der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) vergehen im Median 365 Tage. Wer am Tag der Antragstellung ein Kind erwartet, hat es beim Eintreffen des Bescheids schon zweieinhalb Monate auf dem Arm.
Wir haben 1.334 eigene Verfahren ausgewertet, von der ersten Einreichung vor dem Marktstart im Juni 2022 bis zum 14. September 2026. Von außen gibt es diese Zahl nicht: Keine Statistik, keine gesetzliche Frist und keine Veröffentlichung, die als Orientierung dienen könnte.
Erlaubnis für jedes Spiel jeden Anbieters in jeder Online Spielothek
In Deutschland wird ein Entwickler von Online Slots nicht einmalig geprüft und darf anschließend anbieten, was er mag.
Jeder Online Spielautomat braucht eine eigene Erlaubnis und zwar je Online Spielothek. Dasselbe Spiel bei zwei Anbietern bedeutet zwei Verfahren, zwei Prüfungen, zwei Wartezeiten. Vor der Erlaubnis darf ein Titel nicht angeboten werden, auch nicht für einen kurzen Test.
Das erklärt, warum Online Slots in Österreich, Schweden oder Ontario längst spielbar sind, aber in Deutschland fehlen. Und es erklärt, warum Slots bei einem deutschen Anbieter spielbar sein können und bei einem anderen nicht.
Was gerade wartet
Am 30. Juli 2026 haben wir 28 Titel des Entwicklers Nolimit City beantragt. Bis heute ist über keinen entschieden. Darunter sind einige der international bekanntesten Slots der letzten Jahre.
Am 14. September 2026 gingen 25 Titel von Red Tiger Gaming in die Prüfung, am 22. Januar 2026 waren es 27 Titel von Play’n GO, am 17. Dezember 2025 waren es 27 Spiele von Booming Games und am 24. August 2026 waren es 30 Spiele von Pragmatic Play.
Für die Spiele der Hersteller Nolimit City, Red Tiger Gaming, Booming Games und Print Studios haben wir bis zum 16. September 2026 keine einzige Erlaubnis erhalten. 87 Titel, die sich alle im Verfahren befinden.
Die Langläufer: Vier Jahre und dreieinhalb Monate
Es gibt Freigabeverfahren, die länger dauern als unser Angebot selbst existiert. 30 unserer Anträge stammen aus dem Frühjahr und Sommer 2022. Diese wurden vor dem Marktstart gestellt und sind bis heute unentschieden. Das sind 1.650 Tage, fast sechs Schwangerschaften.
Betroffen sind überwiegend Novoline-Klassiker, dazu international beliebte Spielautomaten von Pragmatic Play.
Ein Beispiel ist der Slot The Dog House Megaways, der am 14. September 2022 beantragt wurde und seit über 1.460 Tagen auf die Freigabe wartet.
Am 11. August 2025 erteilte die Behörde 19 Erlaubnisse für Greentube-Slots, die am 11. März 2022 beantragt wurden. Das sind 1.249 Tage Verfahrensdauer. Oder viereinhalb Schwangerschaften bis zu einer Freigabe.
Die Sprinter: Acht Tage
Es gibt jedoch auch schnelle Entscheidungen. Am 18. Mai 2026 beantragten wir 21 Titel des Entwicklers Tornado Games. Acht Tage später wurden diese freigegeben.
Am gleichen Tag (26. Mai 2026) erhielten wir auch die Freigabe für den Slot Fruits Bamm Edition von Hölle Games. Dieser wurde am 25. Juni 2024 beantragt, was einer Verfahrensdauer von 700 Tagen entspricht.
Entschieden wird in Wellen, nicht laufend
Die Entscheidung über die Freigabe von Spielautomaten für unsere Marken JackpotPiraten und BingBong erfolgt auf Seiten der Behörde in Wellen.
939 Erlaubnisse verteilen sich in viereinhalb Jahren auf 25 Tage.
Bescheidtag | Erlaubnisse |
|---|---|
03.06.2022 | 179 |
20.10.2022 | 60 |
02.05.2023 | 159 |
12.06.2023 | 23 |
24.07.2023 | 63 |
06.11.2023 | 86 |
18.12.2023 | 21 |
05.03.2024 | 30 |
05.05.2024 | 1 |
27.05.2024 | 45 |
22.07.2024 | 52 |
15.10.2024 | 4 |
22.10.2024 | 19 |
10.03.2025 | 35 |
10.05.2025 | 3 |
16.05.2025 | 1 |
03.07.2025 | 1 |
05.08.2025 | 1 |
11.08.2025 | 19 |
13.08.2025 | 25 |
25.08.2025 | 12 |
19.12.2025 | 33 |
07.04.2026 | 15 |
26.05.2026 | 51 |
11.06.2026 | 1 |
Zwischen diesen Tagen liegen Lücken von 2 bis 194 Tagen. Zwei Quartale des Beobachtungszeitraums enthalten keine einzige Erlaubnis.
Seit dem 11. Juni 2026 sind 97 Tage ohne Bescheid vergangen. Sechs der insgesamt 25 Tage brachten lediglich zwischen einer und vier Freigaben.
Wie lange ein Antrag dauert, hängt angesichts der Datenlage vor allem davon ab, wie kurz vor dem nächsten Bescheidtag dieser gestellt wurde.
Der Unterschied zwischen acht und 700 Tagen ergibt sich nicht durch die Dauer der Prüfung, sondern durch den Kalender.
Am rechnerischen Geburtstermin sind noch über 50 % der Anträge offen
Werden nur die Verfahren berücksichtigt, über die bereits entschieden wurde, ergibt sich eine Zeit von 223 Tagen, also weniger als bei einer Schwangerschaft.
Schnell entschiedene Anträge sind vollständig sichtbar, langsame liegen noch unentschieden im Bestand und tauchen in keiner Dauerberechnung auf.
Wer nur die entschiedenen Fälle mittelt, mittelt bevorzugt die schnellen. Gleichzeitig sind 313 unserer 1.292 Anträge unentschieden.
Die Statistik nutzt hierfür ein Standardverfahren, die sogenannte Kaplan-Meier-Schätzung. Sie rechnet jeden offenen Antrag als das mit, was er ist: Ein Verfahren, welches mindestens so lange dauert wie bisher.
nach… | entschieden | noch offen | Vergleich |
|---|---|---|---|
1 Monat | 16 % | 84 % | |
3 Monaten | 34 % | 66 % | Ende erstes Trimester |
6 Monaten | 38 % | 62 % | Ende zweites Trimester |
9 Monaten | 47 % | 53 % | Geburt |
12 Monaten | 65 % | 35 % | erster Geburtstag |
18 Monaten | 77 % | 23 % | |
24 Monaten | 82 % | 18 % | zweiter Geburtstag |
36 Monaten | 91 % | 9 % | Eintritt in den Kindergarten |
Daraus ergibt sich, dass am rechnerischen Geburtstermin noch nicht einmal jeder zweite Antrag entschieden wurde. Nach zwei Jahren ist es noch fast jeder fünfte Antrag, nach drei Jahren fast jeder Elfte.
Die Freigabe erfolgte zwischendurch schneller, dann wurde das Tempo jedoch wieder reduziert
Jahr der Beantragung | Anträge | Median-Dauer | nach einem Jahr entschieden |
|---|---|---|---|
2022 (Marktstart) | 618 | 365 Tage | 64 % |
2023 | 136 | 231 Tage | 71 % |
2024 | 166 | 148 Tage | 69 % |
2025 | 124 | 156 Tage | 64 % |
2026 | 248 | noch offen | 25 % |
Nach dem Marktstart verliefen die Prüfungen deutlich schneller. Die Freigabe-Zeit sank von zwölf auf rund fünf Monate.
Angesichts der Tatsache, dass die neue Behörde 2022 ein komplettes Startsortiment prüfen musste, ist diese Entwicklung nicht überraschend.
Im laufenden Jahr wurde das Tempo jedoch wieder gedrosselt. Von 248 Anträgen aus 2026 ist erst ein Viertel nach einem Jahr entschieden, gegen zwei Drittel bis drei Viertel in den Vorjahren.
Wichtig: Diese Zahl kann mit dem nächsten Sammelbescheid deutlich besser werden, denn der Jahrgang ist noch nicht abgeschlossen.
Ablehnungen sind selten und kommen in Blöcken
Bei 980 entschiedenen Anträgen gab es 73 Ablehnungen, was einer Ablehnungsquote von 7 % entspricht. Die Vermutung einer strengen Auslese wird nicht bestätigt. Eher gilt: Was beantragt wird, wird in der Regel auch erlaubt. Unklar is nur, wann.
Alle Ablehnungen fallen auf drei Tage. Der größte Ablehnungstag war der 27. Mai 2024 mit 59 Ablehnungen, verteilt über sechs Hersteller.
Am 10. März 2025 traf die Ablehnung elf Online Slots, am 7. April 2026 wurden neun Spielautomaten abgelehnt.
Das passiert nach einer Ablehnung
Die Ablehnung eines Spiels ist meist gleichzeitig der Anfang eines neuen Verfahrens. Am 10. März 2025 wurde die Freigabe für einen Merkur-Slot verweigert. Am 11. Juni 2026 wurde die Freigabe für eine angepasste deutsche Fassung beantragt, sie steht bis heute im Verfahren.
Genau das Gleiche gilt für einen weiteren Slot von Merkur, der im März 2025 abgelehnt wurde. Im Juni 2026 wurde die Freigabe für eine neue deutsche Fassung beantragt, diese ist seither in der Prüfung.
Die Erlaubnis ist nicht der Starttermin und das Spiel noch nicht da
Die behördliche Erlaubnis ist nicht gleichzusetzen mit dem Starttermin des Slots. Im Durchschnitt vergehen zwischen dem Erlaubnisdatum und der ersten Echtgeld-Spielrunde weitere 47 Tage. Bei einem Viertel der Spiele sogar über 115 Tage.
Die Ursachen hierfür liegen nicht nur bei uns oder der Behörde. Die technische Anbindung, Prüfung, Bebilderung, Einplanung, diese Schritte benötigen Zeit.
Zusammengerechnet vergehen von der Beantragung bis zur ersten Runde im Durchschnitt rund 403 Tage, knapp anderthalb Schwangerschaften.
Was diese Zahlen nicht sind
Diese Zahlen sind keine Beschwerde. Die Prüfung eines Glücksspielprodukts ist aufwendig und soll aufwendig sein. Ein Verfahren, das schnell ginge, wäre ein schlechteres Verfahren.
Der Rückgang von knapp zwölf auf rund fünf Monate Freigabezeit zwischen 2022 und 2024 zeigt eine Behörde, die ihren Durchsatz erhöht hat.
Die Zahlen sind auch kein Urteil über genannte Hersteller. Eine Ablehnung sagt nichts über die Qualität eines Spiels aus, sondern lediglich über dessen Passung zum deutschen Regelwerk.
Unsere Zahlen beschreiben uns als legalen Anbieter, unsere eigenen Verfahren und nicht den Markt. Ob andere Anbieter ähnliche Dauern sehen, wissen wir nicht. Es gibt eine Stelle, an der diese Zahlen nachlesbar sind. Genau deshalb veröffentlichen wir sie.
Methodik & Datengrundlage
- Datengrundlage: Eigene Verfahrensdaten aus zwei Erfassungssystemen des Produktmanagements: 1.334 Verfahren zu Spieltiteln von 25 Spieleherstellern, Anträge zwischen dem 11. März 2022 und dem 14. September 2026. Vollerhebung, keine Stichprobe. Erfasst sind je Verfahren das Datum der Beantragung und, soweit vorhanden, das Datum der Erlaubnis oder der Ablehnung. Datenstand 16. September 2026.
- Messgröße: Kalendertage, keine Arbeitstage, zwischen dem Datum der Beantragung und dem Datum der Entscheidung. Der Vergleichswert für eine Schwangerschaft sind 280 Tage, also 40 Wochen ab dem ersten Tag der letzten Regelblutung. Dies entspricht der üblichen Rechnung für den errechneten Geburtstermin.
- Behandlung offener Verfahren: 313 der 1.292 Anträge mit Antragsdatum sind zum Datenstand nicht entschieden. Sie werden nicht weggelassen, sondern als zensierte Beobachtungen nach dem Kaplan-Meier-Verfahren mitgerechnet. Von jedem ist bekannt, dass er mindestens so lange dauert wie bisher. Ohne diese Behandlung ergäbe sich ein Median von 223 Tagen. Ein Wert, der nur die abgeschlossenen und damit bevorzugt die schnellen Verfahren abbildet.
- Prüfung der genannten Titel: Jeder namentlich als wartend oder abgelehnt genannte Titel wurde gegen die eigenen Spieldaten geprüft und trägt dort keine einzige Echtgeld-Runde. Fünf Titel, die im Verfahrensbestand als offen geführt werden, sind tatsächlich spielbar. Bei ihnen ist die Erlaubnis erteilt, aber nicht erfasst. Sie sind aus der Darstellung ausgeschlossen und die Zahl der Vier-Jahres-Fälle ist entsprechend mit 30 statt 35 angegeben.
- Einzelperioden: Anträge und Erlaubnisse sind je Einzeltag ausgewertet, weil sie gebündelt gestellt und gebündelt entschieden werden. 36 Antragstage und 25 Bescheidtage im Beobachtungszeitraum, alle 25 Bescheidtage sind mit den beschiedenen Herstellerbündeln im Beitrag ausgewiesen. Jahresangaben im Text sind Summen dieser Einzeltage. Die Antragsjahrgänge sind getrennt geschätzt, weil sich die Dauer zwischen ihnen erheblich unterscheidet.
- Strukturbrüche: Erstens: 595 der 1.292 Anträge fallen auf zwei Tage im März und Mai 2022 und betreffen die Erstzulassung des gesamten Startsortiments vor dem Marktstart; diese Verfahren liefen unter anderen Bedingungen als der laufende Betrieb und sind als eigener Jahrgang ausgewiesen. Zweitens: Die Daten stammen aus zwei Erfassungssystemen, bis 2023 aus einer Tabellenliste, ab 2024 aus einem Vorgangssystem. Die ältere Liste führt Titel teilweise auf Ebene technischer Spielfassungen (etwa unterschiedliche Auszahlungseinstellungen desselben Spiels), die neuere auf Titelebene; die Anzahl der Anträge ist zwischen den Zeiträumen deshalb nicht direkt vergleichbar, die gemessenen Dauern sind davon nicht betroffen. Drittens: Der Antragsjahrgang 2026 ist nicht abgeschlossen. 197 von 248 Anträgen sind offen, eine Median-Dauer ist dort nicht schätzbar und wird nicht angegeben. Viertens: Die Zahl der Anträge steigt ab dem vierten Quartal 2025 deutlich an, während in das Jahr 2026 nur drei Bescheidtage fallen. Fünftens: Zwei Quartale enthalten keine Erlaubnis.
- Erster Spieltag: Der Abstand zwischen Erlaubnis und Verfügbarkeit ist über den ersten Tag mit mindestens einer Echtgeld-Runde je Titel in den eigenen Spieldaten gemessen, für 793 Titel mit eindeutiger Zuordnung. Ein Veröffentlichungsdatum im engeren Sinn wird nicht erfasst.
- Grenzen: Aus den Daten ist nicht erkennbar, ob ein Antrag im Verfahren nachgebessert oder erneut gestellt wurde; eine lange Dauer kann ein langes Verfahren oder mehrere Anläufe sein. Herstellerbezogene Durchschnittsdauern werden nicht ausgewiesen, weil Anträge nahezu immer gebündelt je Hersteller gestellt wurden. 31 der 36 Antragstage betreffen genau einen Hersteller und ein Herstellervergleich damit ein Vergleich von Antragsbündeln wäre, nicht von Herstellern. Die Herstellerspalte der Bescheidtage-Tabelle nennt, über welche Bündel an einem Tag entschieden wurden, und ist kein Vergleich der Hersteller. Die namentlich genannten Einzelfälle sind Beispiele, keine Rangliste. Die Auswertung beschreibt Verwaltungsverfahren und enthält keine Aussage über Auszahlungsquoten oder Gewinnchancen.
überarbeitet am: Sonntag, 20. September 2026